Ein neuer Weg ...

Minimalschnitt im Spalier – Revolutionäre Anbautechnik?

Wie der Name schon sagt, wird bei dieser Erziehungsmethode der Rebstöcke nur minimale Schnittarbeit geleistet. Wenn im Winter normalerweise die Stöcke bis auf eine, maximal zwei Ruten, zurück geschnitten werden, werden die Triebe des Weinstocks beim Minimalschnitt nur nach oben und seitlich, durch den Laubschneider abgeschnitten.

Diese neue Erziehungsform der Reben testen wir derzeit. Stellt sich nach der Testphase heraus, dass mit diesem System genauso gute oder eventuell noch bessere Weine wie bisher erzeugt werden können, so wäre dies ein revolutionärer Durchbruch. Denn mit dem Minimalschnitt im Spalier würden viele Arbeiten in den Weinbergen wegfallen. Zum Beispiel das Schneiden der Rebstöcke im Winter, das Herausziehen der abgeschnittenen Ruten, das Anbinden etc. Dies würde zu einem erheblich geringerem Arbeitsaufwand führen.

Schneidet man den Rebstock im Winter nur minimal zurück, hat dies auch Auswirkungen auf den Ertrag der Weinberge. Dieser steigt zumindest im Umstellungsjahr drastisch an, was eine Verminderung der Qualität mit sich bringen würde. Diesem Qualitätsverlust wird vorgebeugt, indem man den Vollernter bereits einmal durch die Weinberge fahren lässt, wenn die Beeren noch klein, grün und fest sind. Natürlich fährt der Vollernter nicht mit der selben Schlagintensität wie beim Herbsten durch die Weinberge, allerdings fallen doch viele Beeren, sogar halbe Trauben ab und viele Beeren platzen auf. Da dies zu einem Zeitpunkt geschieht, an dem die Beeren noch ganz hart sind, trocknen die aufgeplatzten Beeren einfach zusammen und fallen teilweise ab.

Schneidarbeiten
Auf diesem Foto sehen Sie Winzermeister Hartmut Keller, der mit dem Laubschneider die Reben an der Spitze und seitlich stutzt. Mehr Schneidarbeiten werden an den Reben nicht mehr vorgenommen. Auf der rechten Seite des Bildes sehen sie eine Rebfläche mit Normalerziehung, welche im Winter auf eine Rute zurück geschnitten wird.

Aufgeplatzte Beeren
Auf dem zweiten Bild sehen Sie einige Beeren die durch das Schlagen des Vollernters aufgeplatzt sind, die Beeren werden nun eintrocknen und abfallen.

Beeren/Trauben auf dem Boden
Auf dem dritten Bild sehen Sie die Beeren bzw. ganzen Trauben die vom Vollernter abgeschlagen wurden. Wie viele Beeren oder Trauben abgeschlagen werden, hängt von der Schlagintensität des Vollernters ab und muss im Laufe der Jahre noch ausgetestet werden.

Bild der Rispe
Im letzten Bild sehen sie die Rispe nach dem herbsten. Hier können sie ganz deutlich die eingetrockneten Beeren sehen, die teilweise am Stielgerüst bleiben oder durch die Selektionsgebläse im Vollernter abgesaugt werden.

Die so genannte Grünlese bringt also nicht nur eine Auflockerung der Traubenstruktur und somit eine Ertragsminimierung, sondern führt auch dazu, dass die Traube in ihrer Entwicklung einige Tage stehen bleibt. Dies ist der Fall, da durch das Schütteln des Vollernters in den Saftbahnen der Traube eine Art Embolie auftritt. Somit kann die Traube nach der Grünlese nicht mehr die abgeschlagenen Beeren durch größere Beeren ausgleichen. Da nun an einer Traube weniger, normal große Beeren hängen, kann der Rebstock in diese mehr Zucker und mehr Aromastoffe einlagern. In vielen Weinbaubetrieben werden die Trauben per Hand halbiert um den Ertrag zu minimieren und bessere Qualität zu erzielen. Hier erleiden die Trauben aber keine ''Embolie'' und können ungehindert die abgeschnittenen Beeren durch größere Beeren ausgleichen. Somit bleibt der Ertrag einer Fläche mit Minimalschnitt ähnlich wie der Ertrag einer Rebfläche mit Normalerziehung, allerdings werden bei der Minimalschnittvariante gesündere und qualitativ hochwertigere Trauben geherbstet. Das Lesegut ist dort gesünder, da durch das verzögerte Wachstum eine dickere Beerenhaut ausgebildet wird und diese nicht so schnell aufplatzt.

Wir befinden uns momentan noch im ersten, also im Umstellungsjahr mit einzelnen Rebflächen. Die Grünlese haben wir im Jahr zuvor schon an Rebflächen mit Normalerziehung getestet und spitzen Weine erzielt, die in ihrer Aromatik sehr fruchtig und intensiv wurden.